Ministerin Bachmann wirbt vor ‚Internationalem Tag gegen Gewalt an Frauen‘, um Gesellschaft gegen sexuelle Gewalt zu sensibilisieren

Jede siebte Frau in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens Opfer sexueller Gewalt. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) wurden im Saarland im Jahr 2017 insgesamt 658 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst. Allein in der Straftatengruppe ‚Vergewaltigung und sexuelle Nötigung‘ wurden 93 Fälle registriert. Der überwiegende Teil der betroffenen Opfer, 88 Personen, waren Frauen und Mädchen.

„Sexuelle Gewalt gegen Männer und Frauen Gleichmaßen ist ein abscheuliches Verbrechen. Die körperlichen und seelischen Folgen, die ein sexueller Übergriff auf die Opfer hat, sind unsäglich. Umso wichtiger ist das Netz an Unterstützung, das Betroffenen zur Verfügung steht. Wir wollen mit der Aktion für das Thema sensibilisieren und die verfahrensunabhängige, vertrauliche Spurensicherung in der Bevölkerung bekannter machen“, so Sozialministerin Monika Bachmann bei der Enthüllung von Bussen, die ab sofort im Saarland zu sehen sein werden. „Durch die Werbemaßnahmen sollen Betroffene nicht nur über das Angebot der vertraulichen Spurensicherung informiert, sondern auch dazu ermutigt werden, vertrauliche Soforthilfe nach Gewaltverbrechen in Anspruch zu nehmen“, so Ministerin Bachmann. Neben den Bussen, wird im gesamten Landesgebiet über die Fahrgastmonitore ein einminütiger Trailer zur VSS gezeigt, der alle acht Minuten wiederholt wird. Zusätzlich werden im Kaufhaus “Pieper” in Saarlouis, in der Thalia Buchhandlung in Saarbrücken und im Saarpark-Center in Neunkirchen an stark frequentierten Stellen großformatige Bodenaufkleber mit dem “Kampagnen-Logo” angebracht.

„Die hohe Dunkelziffer und geringe Inanspruchnahme medizinischer und psychosozialer Hilfen der Opfer sexueller Gewalt zeigen uns, dass die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema sexuelle Gewalt notwendig ist. Nur etwa 5% der Frauen, die vergewaltigt wurden, zeigen die Gewalttat an“, so Sozialministerin Monika Bachmann. Opfer sexueller Gewalt sollen dadurch ermutigt werden, die vertrauliche Soforthilfe in Anspruch zu nehmen und bestehende Hilfsangebote zu nutzen.

Hintergrund:

Das Saarland ist das erste Bundesland, in dem flächendeckend dezentrale Angebote zur vertraulichen Spurensicherung in 5 Kliniken und 10 niedergelassenen gynäkologischen Facharztpraxen vorgehalten werden. Das Hilfeangebt wird vom Land finanziert. Seit dem Projektstart im November 2014 wurden saarlandweit 35 vertrauliche Spurensicherungen durchgeführt. In fünf Fällen wurde die Spurensicherung in einer niedergelassenen Facharztpraxis durchgeführt. In zwei Fällen wurde im Nachhinein Anzeige erstattet.

Betroffene Opfer sexueller Gewalt, die unmittelbar nach der Tat nicht in der Lage sind, eine Entscheidung für oder gegen eine Strafanzeige zu treffen, erhalten mit der mit der vertraulichen Spurensicherung die Möglichkeit, sich in einer Klinik oder in einer gynäkologischen Facharztpraxis auch ohne polizeiliche Anzeige vertrauliche Hilfe zu holen und die Spuren der Gewalttat gerichtsfest sichern zu lassen. Im Rahmen der vertraulichen Beweissicherung, die von speziell geschulten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt wird, werden die Gewaltspuren – die unter Umständen für eine spätere Anzeige bei der Polizei hilfreich sein können – vertraulich dokumentiert und kostenlos – für zunächst 10 Jahre – aufbewahrt. Über eine zentrale und ebenfalls vertrauliche Infonummer 0681/844944 bei der Rettungsleitstelle Saarland und auf der Internetseite www.spuren-sichern.de erfahren Betroffene rund um die Uhr, wo sich die nächstgelegene Praxis bzw. Klinik befindet, die die vertrauliche Spurensicherung anbietet, und können sich außerdem über die bestehenden Beratungs- und Hilfeangebote informieren.