Ausstellung in der Saarbrücker Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Opened Circle – ein geöffneter Kreis.

In “Opened Circle” wagen sich die beiden Künstler Swiz und Alexey Luka an das komplexe Thema des “geöffneten Kreises” – eigentlich ein Widerspruch an sich, betrachtet man die Kreisform als eine sich schließende Linie ohne Anfang und ohne Ende.

 

Dennoch versuchen beide Künstler das Unmögliche umzusetzen, brechen in ihren Werken den Kreis und somit sinnbildlich dessen bestehende Ordnung und Klarheit auf.

Das Spannende hierbei ist die unterschiedliche Herangehensweise von Swiz und Luka: während ersterer durch den geöffneten Kreis versucht, die Dualität von Chaos und Harmonie auf der Leinwand abzubilden, geht es bei seinem Künstlerkollegen mehr um das Konzept und weniger um die visuelle Umsetzung. Es ist das Neue, das Unvorhersehbare, was beide Künstler an der Idee des “Opened Cirlce” so fasziniert. Was geschieht an der “Bruchstelle”? Wird eine vorhandene Leere gefüllt, etwas Unerwartetes entdeckt oder ist genau hier auf einmal alles möglich? Struktur. Ordnung. Klarheit. Harmonie. Es existieren zahlreiche Assoziationen zur Form des Kreises. In seinen Arbeiten konfrontiert Swiz diese natürlich gegebene Harmonie der Figur mit seiner eigenen Farb- und Formsprache. So sind die dekonstruierten Buchstaben nicht nur in den meisten Kreisfiguren enthalten, sie sprengen in Werken wie „Opened Circle“ (2017) und „Opened Circle N°2“ (2017) diese stellenweise sogar komplett auf. Swiz zerstört die Lesbarkeit der ursprünglichen Form zugunsten einer neuen, offenen, mutigen Komposition. Der Künstler spielt mit den Gegensätzlichkeiten: konzentrierte, abstrahierte Buchstabenformen versus die Einfachheit einer einzelnen strukturierenden und kreisrunden Linie: das geordnete Chaos. Ist bei Swiz der Kreis als kompositorisches und inhaltliches Gestaltungsmittel meist ganz klar auf der Leinwand zu erkennen, so setzt Alexey Luka die Thematik des „opened circle“ in seinen Arbeiten subtiler um. Der Moskauer Künstler kombiniert bsp. in dem Gemälde „Neighbors“ (2017) zwei Kreisfiguren zu einer ovalen Form. In diesem Bild können die Kreislinien auch eine figurative Bedeutung besitzen (z. B. als Gesicht, Auge, Haar oder Ohr), denn nicht selten verstecken sich in seinen abstrakt anmutenden Arbeiten kleine Geschichten, dargestellt von minimalistisch-vereinfachten Charakteren. Im Wesentlichen jedoch bedeutet für Luka die unterbrochene Kreislinie, sich etwas Neuem zu öffnen, das sprichwörtliche Überschreiten von Grenzen, die Entdeckung von etwas völlig Unerwartetem. Alexey Luka kreiert seine Ausstellungswerke meistens direkt vor Ort, nutzt in seinen Assemblagen überwiegend natürliche Materialien wie antikes oder gefundenes Holz, welches er in der unmittelbaren Umgebung findet. Allein durch den „Objet trouvé“ – Gedanken, den Charakter des Zufälligen so wie die Verwendung von unterschiedlichsten Elementen, gleicht bei Alexey Luka kein Werk dem anderen.

(Text: Nina Reinhardt / Fotos: Erwin Altmeier)

Zu Fotos der Ausstellung: OPENED CIRCLE

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